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Der Beruf des Försters: So vielseitig wie der Wald selbst

Gepostet am 07 Juni 2019

Dass Wälder essenziell für unseren Planeten und das Leben darauf sind, weiss man mittlerweile. Das Weiterbestehen und der Schutz der Wälder ist daher ein grosses Anliegen. Wie funktionieren Wald und Mensch nebeneinander? Dafür haben wir eine Person gefragt, die den Wald wohl am besten kennt: Der Förster/die Försterin. Wir freuen uns riesig, dass wir diese und weitere Fragen dem Schweizer Forstwart Peter Piller stellen durften.

 

Wald

 

Peter Piller ist 36 Jahre alt und kommt aus Plaffeien (FR). Er arbeitet im Forstrevier Rüschegg- Nord (BE), wo er einen Forstbetrieb mit acht Mitarbeitern führt. Als einen der schönsten Momente in seinem Beruf bleiben Peter die zwei Begegnungen mit dem Luchs aus kurzer Distanz in Erinnerungen. «Ein wunderschönes Tier», wie er hinzufügt.

 

Peter Piller

Wie bist du zum Beruf des Försters gekommen?

Schon als kleiner Junge habe ich mit meinem Vater im Wald mitgearbeitet. Der Wald faszinierte mich schon immer, sei es bei meinen Hobbys oder auch bei der Arbeit mit der Motorsäge. Nach einer Schnupperlehre war für mich sofort klar, welchen Weg ich einschlagen werde.

 

Was gefällt dir an deinem Beruf am besten?

Ganz klar die Arbeit in der Natur und die Abwechslung, welche dieser Beruf mit sich bringt. Das langzeitliche und nachhaltige Denken, welches wohl in keinem anderen Beruf so gefragt ist, wie bei uns im Wald.

 

Was sind die Aufgaben eines Försters?

Der Beruf ist sehr vielseitig und der Förster ist ein Generalist. Es kommt stark darauf an, in welcher Region man arbeitet und wie der Betrieb organisiert ist.

Meine Hauptaufgaben in Rüschegg sind die Beratung der Waldbesitzer, das Anzeichnen der zu fällenden Bäume, das Planen von Holzschlägen und Pflanzungen, der Unterhalt der Infrastruktur (Waldstrassen usw.), der Holzverkauf und das Führen des Forstbetriebs mit acht Mitarbeitern.

 

Welche Schwierigkeiten erlebst du in deinem Beruf?

Die verschiedenen Ansprüche an den Wald unter einen Hut zu bringen und die beste Lösung zu finden. Oft fehlt das Verständnis der Bevölkerung und Behörden für die Waldbewirtschaftung.

Das Forstpersonal plant mindestens zwei Generationen im Voraus. Um einen dauerhaften Wald zu haben, welcher seine Funktionen erfüllt, müssen und dürfen wir Bäume fällen. Mit dem Holz dieser Bäume ernten wir den einzigen nachwachsenden Rohstoff in der Schweiz. Mit der nachhaltigen Forstwirtschaft, welche wir in der Schweiz betreiben, tun wir etwas sehr Positives für den Wald und erzeugen einen CO2-neutralen Baustoff.

Der Rundholzpreis in der Schweiz ist sehr tief, trotzdem werden zweidrittel des benötigten Holzes aus dem Ausland importiert. Es ist sehr schwierig, den Forstbetrieb rentabel zu führen.

 

Inwiefern tun Förster für die Umwelt etwas Gutes, indem sie Bäume fällen?

Die gefällten Bäume geben uns den nachwachsenden und CO2-neutralen Rohstoff Holz. Es macht Sinn, Holz in unseren Wäldern nachhaltig zu ernten um damit zu verhindern, dass Holz durch die halbe Welt transportiert wird oder die Urwälder und Tropenwälder gerodet werden.

Indem wir Bäume fällen, schaffen wir Platz für die Jugend und bringen Licht auf den Boden. Wir versuchen, die Mischung zu fördern indem wir seltenen Baum- und Straucharten helfen.

Durch das Ernten von Bäumen stärken wir die Bestandesstabilität und fördern die Biodiversität.

 

Mit welchen Herausforderungen hat der Schweizer Wald zu kämpfen?

Der Druck durch die Bevölkerung auf den Wald, seine Bewohner und die Waldbesitzer nimmt stetig zu. Allen Anforderungen von Bikern, Reitern, Hündelern, Wanderern usw. gerecht zu werden ist unmöglich. Eine grosse Herausforderung ist, die Bevölkerung zu informieren, dass jeder Wald einen Besitzer hat und wir mit der Bewirtschaftung etwas sehr Wichtiges und Gutes für die Waldfunktionen tun.

 

Spürst du die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald?

Wir stellen fest, dass sich die Baumgrenze nach oben verlagert. Die Baumarten verlagern sich. Gewisse Baumarten wie Fichten haben mit der Trockenheit Mühe. Sie sind anfällig für den Borkenkäfer oder andere Schädlinge.

 

Welches sind die häufigsten Baumschädlinge des Schweizer Waldes und wie sieht es mit invasiven Arten aus?

Bei mir im Revier ist der Buchdruckerborkenkäfer der schlimmste Schädling. Mit Holz oder Weihnachtsbäumen, welche in die Schweiz importiert werden, kommen auch vermehrt invasive Schädlinge zu uns, welche wir bei uns noch nicht kannten.

 

Mit welchen Massnahmen reagiert ein Förster gegen Baumschädlinge? Kann ein befallener Baum gerettet werden?

Einen vom Borkenkäfer befallenen Baum kann man nicht mehr retten. Man kann aber das Ausbreiten des Käfers bekämpfen, indem man den befallenen Baum sofort fällt und aus dem Wald transportiert. Wenn das nicht möglich ist, kann man den Baum auch entrinden, damit die Larven vertrocknen.

 

Was möchtest du den Menschen mitgeben, die von deinem Beruf nicht viel verstehen?

Ich empfehle sich zu informieren, bevor man verletzende Kritik über die Waldbewirtschaftung herauslässt. Das Forstpersonal überlegt in sehr langen Zyklen. Oft sieht der Wald nach einem Eingriff für den Durchschnittsbürger nicht schön aus. Erst nach einigen Jahren werden die positiven Auswirkungen erkennbar.

 

Wir von NIKIN möchten uns hiermit nochmals ganz herzlich bei Peter Piller für seine Offenheit bedanken.

Der Beruf des Försters ist unerlässlich für das Funktionieren des Ökosystems Wald, wobei das Ziel der vielfältigen Aufgaben immer in der Nachhaltigkeit liegt. Sei dies im Gebrauch einheimischen Holzes oder im Aufbau eines Dauerwaldes. Daher wünschen wir uns, dass der Berufsgruppe des Försters mehr Wertschätzung und Dankbarkeit entgegengebracht wird. Von unserem einheimischen Wald profitieren wir schliesslich alle.

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