Langstreckenwanderin mit Rucksack auf Thru-Hike in den Bergen – Blick über weite, unberührte Landschaft mit See und Schnee in der Ferne.

Johannas CDT-Thru-Hike: 6 Monate, 5000 km Natur pur

6 Monate, 5000 Kilometer, pure Wildnis – und nur 6,2 kg Gepäck. Unsere NIKIN Hero Johanna erfüllt sich einen lang gehegten Traum: den Continental Divide Trail (CDT) von Mexiko bis Kanada. Im Interview erzählt sie von ihrer Vorbereitung, der inneren Motivation und den Herausforderungen eines echten Thru-Hikes. Ein ehrlicher Einblick in ein Leben zwischen Minimalismus, Naturverbundenheit und mentaler Stärke. 

Johanna, was hat dich dazu inspiriert, den CDT zu wandern – und wie fühlt sich der Start dieses Abenteuers an?

"Der Continental Divide Trail (CDT) ist schon so lange ein grosser Traum von mir – einer dieser Träume, die man tief in sich trägt und irgendwann realisieren muss. Dieses Jahr war einfach das perfekte Timing, und ich wusste: Jetzt oder nie. Ich freue mich wahnsinnig darauf, wieder in der Natur zu sein, das Leben auf das Wesentliche zu reduzieren und diese Freiheit zu spüren, die man nur auf einem Trail findet. Gleichzeitig bin ich auch nervös, weil der CDT bekannt dafür ist, dass man ihn nur schwer vorhersehen kann. Aber genau das macht es spannend, und ich weiss, dass ich daran wachsen werde."

Was nimmst du alles mit – und wie schwer musst du auf der Wanderung buckeln?

"So wenig wie möglich! Mein Basisgewicht liegt bei etwa 6,2 kg – das ist alles, was ich brauche: Zelt, Schlafsack, ein paar Kleidungsstücke und andere Basics. Ich liebe es, minimalistisch unterwegs zu sein und herauszufinden, wie wenig man wirklich braucht, um glücklich zu sein. Natürlich kommen noch Essen und bis zu 5 Liter Wasser dazu, aber auch das gehört zur Herausforderung. Wenn du neugierig bist: Hier geht es zur meiner komplette Packliste.

Flatlay einer minimalistischen Thru-Hike-Ausrüstung: Kleidung, Schlafsack, Zelt, Trekkingstöcke, Rucksack und weitere Essentials auf Holzboden.Der Trail gilt als besonders herausfordernd. Wie gehst du mit schwierigen Momenten um – mental und körperlich?

"Die schwierigen Tage gehören genauso dazu wie die guten – sie machen den Trail erst zu dem Abenteuer, das ich so liebe. Wenn es hart wird, halte ich inne und erinnere mich an mein 'Warum'. Genau diese Momente fordern mich heraus, über meine vermeintlichen Grenzen hinauszugehen, und das Gefühl danach ist unbeschreiblich. Es ist nicht nur ein Erfolgserlebnis, sondern auch eine Erinnerung daran, wie stark ich bin und was ich alles schaffen kann. Diese Tage stärken nicht nur meine Willenskraft, sondern auch mein Vertrauen in mich selbst."

Der CDT führt durch spektakuläre Landschaften. Auf welche Orte freust du dich besonders – und warum?

"Jeder Trail hat seine ganz eigene Magie, und ich finde es unmöglich, sie miteinander zu vergleichen. Der Pacific Crest Trail wird aber immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben – er war mein erster Thru-Hike. Zum ersten Mal diese totale Freiheit zu spüren und alles hinter mir zu lassen, hat mich tief geprägt. Beim CDT bin ich besonders gespannt auf die 'Wüste' in New Mexico und die Wind River Range in Wyoming. Die Landschaften werden so vielfältig sein, und ich freue mich darauf, all diese neuen Eindrücke auf mich wirken zu lassen."

Übersichtskarte des Continental Divide Trail – 5000 km langer Thru-Hike durch die USA, markiert von Süd nach Nord durch New Mexico, Colorado, Wyoming, Idaho und Montana.
Wie bereitest du dich auf so eine lange Reise vor – sowohl mental als auch körperlich?

"Dieses Mal bereite ich mich viel bewusster vor als bei meinen früheren Wanderungen. Ich mache Krafttraining für meine Beine und Füsse, gehe regelmässig joggen und wandere mit einem gepackten Rucksack, um mich an das Gewicht zu gewöhnen. Mental bereite ich mich vor, indem ich mich an 'Discomfort' gewöhne – vor allem durch das Eisbaden im Zürichsee. Das stärkt nicht nur meine Willenskraft, sondern hilft mir auch, präsent zu bleiben und meine Gedanken zu sortieren. Mein 'Warum' aufzuschreiben und immer wieder daran zu denken, gibt mir ausserdem eine klare Richtung."

Was war dein wichtigstes Learning aus deiner letzten Wanderung – und wie beeinflusst es deinen aktuellen Thru-Hike?

Auf meiner letzten Tour in der Türkei habe ich mir das Aussenband im Knöchel gerissen – ein harter Rückschlag. Es hat mir einmal mehr gezeigt, wie schnell sich Pläne ändern können und wie wichtig es ist, flexibel zu bleiben. Anfangs fiel es mir schwer, loszulassen und meine Ziele anzupassen, aber letztendlich habe ich daraus gelernt, dass es nicht immer darum geht, stur an einem Plan festzuhalten. Seitdem höre ich bewusster auf meinen Körper, nehme Signale ernst und plane mit mehr Spielraum, um auf das Unvorhergesehene reagieren zu können.

Selfie von Johanna auf Bergpfad mit Sonnenaufgang und Wolkenmeer im Hintergrund.
Was bedeutet dir Nachhaltigkeit beim Wandern – und wie erlebst du die Natur auf deinen Trails?

"Wenn ich draussen in der unberührten Natur bin, fühle ich mich unglaublich verbunden mit der Welt um mich herum. Diese Verbindung macht mich oft nachdenklich, besonders wenn ich die Auswirkungen des Klimawandels und die intensiveren Wetterveränderungen direkt erlebe. Es wird mir jedes Mal bewusst, wie wichtig es ist, unseren Planeten zu schützen. Dieses Gefühl ist eine Mischung aus tiefer Dankbarkeit und Verantwortung. Ich gebe mein Bestes, so nachhaltig wie möglich zu reisen, und hoffe, dass meine Erlebnisse andere dazu inspirieren, die Natur mit mehr Achtsamkeit und Respekt zu behandeln."

Wenn du Johanna auf ihrer Reise begleiten möchtest, folge ihr auf Instagram unter @tinkle.hikes. Dort teilt sie regelmässig ehrliche Einblicke, Highlights und Herausforderungen ihres Alltags auf einem der längsten Fernwanderwege der Welt – direkt aus der Wildnis.

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